Walhausen im Saarland

Walhauser Köhlertage

Berthold Nagel Alle 5 Jahre wird in Walhausen ein traditionelles Köhlerfest veranstaltet. Das vierzehntägige Fest ist weit über die Grenzen des Saarlandes bekannt und lockt viele Besucher an. Das letzte Köhlerfest wurde 2013 gefeiert.

Köhlertage 2018 (FILM von Björn Schmitt)

Walhauser Köhlertage

Die Nassau- Siegensche Methode Holzkohle zu brennen

Geschichtliche Zusammenhänge

Der Laie fragt sich, wozu wurde Holzkohle in unserer Region in solch großen Mengen gebraucht ?

Wer heute an Holzkohle denkt, hat das Grillen und Bruzzeln auf dem Schwenker hinterm Haus im Kopf. Das war im 15. Jahrhundert in der Region ganz anders. Zwar wurden damals riesige Mengen Holzkohle gebraucht, aber nicht zum Grillen, sondern zum Schmelzen von Kupfererz. Gewonnen wurde der wertvolle Rohstoff in Gruben, von denen es im Bereich des heutigen Landkreises St. Wendel mehrere gab. Zum Beispiel in Mosberg-Richweiler, Wolfersweiler, Oberlinxweiler, Oberthal, Kastel und in Walhausen. Damit aus diesem Erz Kupfer werden konnte, wurde in großen Mengen Holzkohle gebraucht. Sie war damals der einzige Energielieferant für die so genannte Kupferschmelze. Um eine Tonne Kupfererz zu verhütten, waren bis zu sieben Tonnen Holzkohle nötig. Je nach Qualität wurden dafür etwa 90 Raummeter Holz verarbeitet. Deshalb war unter den Nutzungsarten des Waldes die Köhlerei ein bedeutender Faktor. Weil Holzkohle wenig wiegt, konnten große Mengen über weiten Strecken transportiert und Erzhütten in der weiteren Umgebung beliefert werden. So prägte die Köhlerei lange Zeit das Leben und Arbeiten in Walhausen. Wer mit offenen Augen durch den Buchwald geht, kann noch heute einige der früheren Meilerstandorte erkennen. Als im südlichen Saarland im 19. Jahrhundert immer mehr Steinkohle abgebaut wurde und sich dadurch für die Hütten ein neuer Energieträger ausbreitete, ging die Produktion der Holzkohle immer mehr zurück. Schließlich wurde sie ganz eingestellt. Die Walhauser Köhlertage wollen an diesen alten Erwerbszweig erinnern. Sichtbarstes Zeichen dafür ist der Meiler, bei den alle 5 Jahre stattfindenden Köhlertagen.

Sowohl Kupfererzbergbau als auch die Köhlerei prägten die frühere industrielle und forstwirtschaftliche Gegend unseres Ortes entscheidend mit.

(Text: Rainer Fuchs SZ 2008)

Chemische Abläufe der Kupfergewinnung mit Holzkohle

Durch das Verbrennen der Holzkohle wird eine Hitze von 1000 °C bis 1200 °C und Kohlenstoffmonoxid erzeugt. Ab einer Temperatur von 230 °C reagiert Malachit Cu2[(OH)2|CO3] unter anderem zu Kupfer(II)-oxid, das in der Natur auch als Tenorit vorkommt. Dieses wird vom Kohlenstoffmonoxid reduziert. Das fertige Kupfer fließt auf den Grund des Reaktionsgefäßes und kann nach dem Abkühlen herausgenommen werden.

Kupfer(I)-oxid (Cuprit) kann durch die Reduktion von Kupfer(II)-oxid (Tenorit) mit metallischem Kupfer bei erhöhter Temperatur oder durch die thermische Zersetzung von Kupfer(II)-oxid bei Temperaturen über 800 °C gewonnen werden. Kupfer(I)-oxid bildet sich beim Erhitzen auf Rotglut von metallischem Kupfer zusammen mit Kupfer(II)-oxid. Gleichzeitig entsteht bei der unvollständigen Verbrennung des Kohlenstoffs aus der Holzkohle das Kohlenmonoxid:

CuO + Cu ⇒ Cu2

4CuO ⇒ 2Cu2O + O2

2C + O2 ⇒ 2Co

Beide entstandenen Produkte, Kohlenmonoxid und Kupfer(I)-oxid, reagieren zu metallischem Kupfer:

2Cu2 O2 + 2Co ⇒ 4 Cu + 2Co2

Metallisches Rohkupfer In einem anderen und vermutlich erst später eingesetzten Verfahren wurde sulfidisches Kupfererz, Chalkopyrit oder Kupferkies (CuFeS2), und Chalkosin oder Kupferglanz (Cu2S) verarbeitet. Solche sulfidischen Erze mussten zuvor geröstet werden, um den Schwefel in Schwefeldioxid SO2 zu überführen. Erst nach der Entfernung des Schwefels konnte eine Reduktion des Kupfererzes erfolgen. Zum Rösten benötigte man ebenfalls Holzkohle, um die hierzu notwendigen Temperaturen zu erreichen. Dabei kommt es zur Bildung von Schlacke, die die Nebenbestandteile (meist Eisensulfid/Eisenoxid und Kieselsäure als Gangart) des Erzes aufnimmt, so dass diese leicht abgetrennt werden können. Typische Temperaturen für die Kupferverhüttung liegen um 1100 bis 1200 °C, genügend um sowohl die Schlacke als auch das Metall zu schmelzen. Die Verwendung von Öfen anstelle von Tiegeln erlaubt es, wesentlich größere Metallmengen zu gewinnen; entsprechend ist die Verhüttung im Tiegel meist an die Anfänge der Kupfergewinnung gebunden. Spätere Tiegel wurden fast ausschließlich für den Guss verwendet.

Quelle: Wikipedia

Holzkohlenmeilerei

Wir zeigen während der Köhlertage das „Deutsche Meilerverfahren“. Wir verwenden ausschließlich lufttrockenes Buchenholz von circa 1 m Länge, das größtenteils gespalten ist, so daß es nicht dicker als 18 cm ist. Wir verbauen circa 50 Raummeter Holz; das ergibt eine Holzkohlenausbeute von rund 80 Zentnern bei bis zu 400° C Betriebstemperatur. Mit dieser Temperatur erwarten wir ein Optimum zwischen hochwertiger kohlenstoffhaltiger und mengenmäßiger Ausbeute an Holzkohle. Mit oben genanntem Volumen enthält der Meiler eine Ausdehnung von circa 8 m Durchmesser und circa 2,80 m in der Höhe. Seine Oberfläche beträgt dann rund 100 qm. Holzkohlenmeiler im Querschnitt Holzkohle ist ein fester Brennstoff und entsteht, wenn lufttrockenes Holz (auf 13 % bis 18 % Wasser getrocknet) unter Luftabschluss und ohne Sauerstoffzufuhr auf 275 °C erhitzt wird (Pyrolyse). Die Temperatur steigt dabei von selbst auf 350 °C bis 400 °C an (Holzverkohlung, ähnlich der Verkokung von Kohle). Dabei verbrennen die leichtflüchtigen Bestandteile des Holzes. Als Rückstand erhält man neben gasförmigen Zersetzungsprodukten (siehe Methanol oder „Holzgeist“) etwa 35 % Holzkohle.

Das zwischen 270 und 300 °C entstandene Produkt ist braun-schwarz (Rotkohle, Röstkohle) und hat bei einer um die Hälfte größeren Ausbeute fast denselben Heizwert wie die über 340 °C entstehende Schwarzkohle. Rotkohle wird deshalb vielfach zu metallurgischen Zwecken und wegen gewisser Eigenschaften zur Schießpulverfabrikation hergestellt. Mit dem Steigen der Verkohlungstemperatur wächst die Dichtheit und die Leitungsfähigkeit der Kohle für Wärme und Elektrizität; zugleich aber sinkt die Entzündlichkeit der Kohle und ihre Neigung, Feuchtigkeit anzuziehen.

Quelle:https://www.chemie-schule.de/KnowHow/Holzkohle


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